Verwehte Fußspuren im Sand

Payments for Ecosystem Services als Forschungsgegenstand

Claudia Sattler, 21./22. September 2009

In Anschluss an den Vortrag von Dr. Sattler wurden die folgenden Themen diskutiert:

Partizipationsmöglichkeiten

  • Mit Blick auf die bestehende Praxis im Umwelt- und Naturschutz stellen die CIVILand-Partner fest, dass derzeit wenig bekannt ist über die Nachfrage nach PES. Während die Angebote, die staatlich-administrative Organisationen entwickeln, in der Wissenschaft diskutiert werden, liegt bislang kaum Wissen vor, ob bzw. wie Bürger PES nachfragen und ob sich die Nachfrage durch den Ausbau von Partizipationsmöglichkeiten beeinflussen ließe. Partizipation sei, darauf wurde in diesem Zusammenhang hingewiesen, mit hohen Transaktionskosten verbunden. Partizipationsprozesse sind zeit- und arbeitsintensiv.
  • Um Partizipationsmöglichkeiten bei der Entwicklung und Ausgestaltung von PES in einem vertretbaren Kostenrahmen zu eröffnen, können die staatliche Förderung und die Einbeziehung kommunaler Träger und Multiplikatoren unerlässlich sein. Daraus ergibt sich für CIVILand eine Forschungsfrage.
  • In der Praxis haben sich regionale Arbeitsgemeinschaften bewährt als Medium, das ein Optimum an bürgerschaftlichem Einfluss auf die Planung und Durchführung von Maßnahmen bei tragbaren Transaktionskosten herstellt.
  • Als Beispiele für gute Praxis verweisen die CIVILand-Partner auf die Agrarumweltmaßnahmen in der Schweiz, auf UNESCO-Biosphärenreservate, bei denen partizipative Verfahren obligatorisch sind, die Einbeziehung von Bürgern und Landwirten an der Ems sowie die Integration bürgerschaftlicher Interessen in einem Projekt zum Lebensraum Brache.
  • Zu berücksichtigen ist nach den Erfahrungen aus dem Kreis der CIVILand-Partner, ob die Einrichtung von Bezahlungsschemata eventuell kontraproduktiv sein und bürgerschaftliches Engagement zum Erlahmen bringen kann. Wenn beispielsweise Landwirte aufgrund persönlicher Motivation und angeregt durch naturschutzfachliche Überzeugungsarbeit freiwillig Blühstreifen entlang der Flur belassen bzw. selbst angelegen, stellt sich die Frage, ob dieses Engagement nicht durch das Angebot finanzieller Kompensation korrumpiert wird.

Maßnahmen zur Honorierung von Ökosystemdienstleistungen

  • In Frage steht, welche Honorierungsansätze angemessen sind, auch nach Fairnessgesichtspunkten: eine ergebnisoffene Honorierung, die sich nach den Kosten für die Durchführung einer Maßnahme zur Erhaltung von Ökosystemdienstleistungen bemisst, oder eine Honorierung, die für konkrete Ergebnisse gezahlt wird.
  • Maßnahmen, die das Vorkommen einzelner Arten honorieren, werden im Kreis der CIVILand-Partner äußerst kritisch betrachtet.

Erwerb von Flächen

  • Der Erwerb von Flächen kann nur bedingt als Alternative für Maßnahmen fungieren, die auf die konkrete Landnutzungspraxis Einfluss nehmen. Flächen für den Umwelt- und Naturschutz können überwiegend auf sogenannten Sonderstandorten, etwa in ehemaligen Militärzonen, erworben werden. Für diese Form des Umwelt- und Naturschutzes gibt es also natürliche Grenzen.
  • Zu unterscheiden ist grundsätzlich, wer Land aufgrund eines Pachtvertrages nutzt und wer Besitzer des Landes ist.
  • Sowohl beim Erwerb der Flächen als auch bei Maßnahmen, die auf die Landnutzungspraxis Einfluss nehmen, gilt es, den Beteiligten die Gründe des Umwelt- und Naturschutzes und die Konsequenzen der Maßnahmen nachvollziehbar zu machen. Nur so lassen sich Ressentiments vermeiden.

Messung und Kontrolle von Projekterfolgen

  • CIVILand steht vor der Herausforderung zu prüfen, ob Projekte erfolgreich sind bzw. in welchem Maße sie ihre Zielsetzung erreichen. Dazu wurde von den CIVILand-Partnern vorgeschlagen, Maßnahmen regional bezogen und unter weitgehender Beteiligung der betroffenen Interessengruppen zu entwickeln, um Konflikte zu reduzieren oder zu vermeiden.
  • Der wirtschaftliche Erfolg von Stiftungen, gerade auch in Relation zu ihrer Größe und ihren Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen, ist bei der Einschätzung von zivilgesellschaftlich organisierten PES zu berücksichtigen.
  • Offen bleibt die Frage, wie wenig erfolgreiche oder gescheiterte PES-Schemata ins Blickfeld von CIVILand geraten können.

Fortschritte

  • Diskussion der Ergebnisse des Teilprojektes 4

  • Internationale Konferenz in Berlin

  • Telefoninterviews mit deutschen Naturschutzverbänden (Phase II)

  • Forschungsaufenthalt in Großbritannien

  • Master-Studentin der Nachwuchsforschergruppe CIVILand

  • Interviews mit Vertretern aus der EU-Verwaltung in Brüssel

  • Symposium an der Cardiff University

  • Interviews mit Not-for-Profit-Organisationen in Wales

  • Telefoninterviews mit deutschen Naturschutzverbänden (Phase I)




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Online: http://www.civiland-zalf.org/fortschritte/workshop20090921/pes/index.php
Datum: 19.05.2012