Verwehte Fußspuren im Sand

CIVILand als Forschungsprozess – Ein Überblick über das Konzept, die Forschungsplanung und die Organisation

Bettina Matzdorf, 21./22. September 2009

Im Anschluss an Dr. Matzdorfs Darstellung des CIVILand-Forschungsprogramms, ergänzt von Dr. Sattler zum Begriff der Payments for Ecosystem Services und von Dr. Jetzkowitz zum Begriff der Zivilgesellschaft, wurden die folgenden Punkte diskutiert:

Motive und Erwartungen

  • Aus dem CIVILand-Team wird der Wunsch nach Berührungspunkten zwischen wissenschaftlicher Forschung und gesellschaftsgestaltender Arbeit vorgetragen. CIVILand soll demnach nach Möglichkeit auch neue Wege im Erhalt von Ökosystemdienstleistungen und von Kulturlandschaft eröffnen. CIVILand ist dem Konzept der Transdisziplinarität verpflichtet, das die Lösung gesellschaftlicher Probleme in Kooperationen von Wissenschaft und gesellschaftlicher Praxis propagiert. Diesen Anspruch will das Projektteam erfüllen, indem es neue Ideen in die bestehende Praxis des Umwelt- und Naturschutzes in Deutschland einbringt.
  • Wiewohl dem Begriff der Payments for Ecosystem Services im Kreise der Praxispartner nur wenig Orientierungsfunktion zugemessen wird, artikuliert sich deutliches Interesse, die Bedeutung der Zivilgesellschaft für den Erhalt von Ökosystemdienstleistungen und von Kulturlandschaft zu diskutieren und dabei insbesondere auch Finanzierungsfragen in den Blick zu nehmen.

Internationaler Vergleich

  • Das Forschungsprogramm von CIVILand sieht vor, Anregungen für den Umwelt- und Naturschutz in Deutschland durch einen vergleichenden Blick darauf zu entwickeln, wie sich in den USA und in Großbritannien zivilgesellschaftliche Organisationen für die Honorierung von Ökosystemdienstleistungen engagieren.
  • Mit Blick auf die empirischen Studien in den USA sollte, so ein Vorschlag aus dem Kreise der Wissenschaftler, geprüft werden, ob eine Beschränkung auf einen oder einige wenige Bundesstaaten nicht angemessen sei. Kalifornien sei besonders innovativ.
  • Der Vergleich sollte, so ein weiterer Hinweis der Wissenschafts-Partner, nicht nur auf die Projekte im engeren Sinne beschränkt sein, sondern die verschiedenen gesellschaftlichen Kontexte einbeziehen. Neben den Einstellungen zum zivilgesellschaftlichen Engagement ist dabei insbesondere auch das Verhältnis von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu berücksichtigen.

Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Honorierung von Ökosystemdienstleistungen

  • Die Partner von CIVILand betonen, dass die Zivilgesellschaft als eigenständiges Segment der Gesamtgesellschaft in den Blick genommen werden muss, die gleichwohl in Beziehung steht zu anderen Segmenten. Dabei ist insbesondere der Staat bzw. der politisch-administrative Teilbereich relevant. Die Aufgabe der Zivilgesellschaft besteht nicht darin, so wird im Konsens festgestellt, den Staat aus seinen Verpflichtungen zur Erhaltung und Pflege von Umweltgütern zu entlassen.
  • Als Forschungsziel für CIVILand wird in diesem Zusammenhang empfohlen, das Wirken von Staat und Zivilgesellschaft bei der Finanzierung von Ökosystemdienstleistungen als komplementär zu betrachten. Für CIVILand wird es somit unerlässlich sein, danach zu fragen, in welchem Maße zivilgesellschaftliche und staatliche PES in den verschiedenen Untersuchungsregionen akzeptiert sind. Dies ist auch bei der Bestimmung der Transaktionskosten von staatlichen PES zu berücksichtigen, die auf Widerstände der Zivilgesellschaft stoßen können.
  • Zu berücksichtigen ist auch die Kritik an staatlichen PES. Welche Maßnahmen für den Erhalt von Ökosystemdienstleistungen durch den Staat finanziert würden, entscheide sich in der Regel anhand des Kriteriums der Administrierbarkeit. Aus dieser Kritik ergibt sich für CIVILand die Frage, ob von zivilgesellschaftlich organisierten PES eine sachgerechtere Auswahl erwartet werden kann.
  • Wie sich die Zivilgesellschaft an der Honorierung von Ökosystemdienstleistungen beteiligt (und zukünftig beteiligen kann), ist kontextspezifisch zu prüfen. Das gilt insbesondere auch für die Frage, welche Mittel zivilgesellschaftliche Organisationen wo einsetzen. Nicht immer müssen Direktzahlungen wesentlich sein. Auch die Zeit und die Arbeitsleistung, die Bürger für den Erhalt von Ökosystemdienstleistungen aufwenden, sollten von CIVILand berücksichtigt werden.
  • Die Frage, wie verschiedene Interessengruppen in die Entwicklung und Ausgestaltung von PES einbezogen werden, werten die CIVILand-Partner als ein wesentliches Element des CIVILand-Forschungsprogramms. In welchem Maße partizipieren die Landnutzer am Definitionsprozess der Maßnahmen, für die sie honoriert werden? Neben den strukturellen Möglichkeiten ist zu berücksichtigen, dass Partizipation auch an Sachkunde sowie an Verfahrenswissen gebunden sein kann. Bürger können auch in Partizipationsprozessen fachlich und bürokratisch überfordert werden.

Methodik

  • Im Rahmen der Evaluation von PES sollte untersucht werden, ob die Bereitstellung von Mitteln über nichtstaatliche Institutionen, wie bspw. Stiftungen effizienter ist bzw. ob auf diesem Weg mehr Wirkung erzielt werden kann.
  • Zusätzlich wird eine Untersuchung für sinnvoll gehalten, die Aufschlüsse darüber gibt, ob durch eine partizipative Beteiligung von Stakeholdern und Akteuren an der Definition von Zielen und Zwecken Mittel effizienter eingesetzt werden. Hierzu sind auch die Auswirkungen sozialer Aspekte, wie Demokratieförderung, mit einzubeziehen.
  • Aus den Ergebnissen der Untersuchungen sollten praxisnahe Handlungsmöglichkeiten erarbeitet werden, die methodisch begleitet werden. Es muss damit gerechnet werden, dass sich die Anfangs-Hypothesen des Projektes ändern. Zur Zielerreichung sollte eine große Vielzahl an Projekten untersucht werden, gerade auch mit Blick auf extreme Beispiele. Zusätzlich sollten auch gescheiterte Maßnahmen in die Betrachtung aufgenommen werden, um Erfolgsfaktoren besser zu verdeutlichen. Insgesamt wird eine Brücke zwischen theoretischen Modellen und praktischer Umsetzung eingefordert.

Fortschritte

  • Diskussion der Ergebnisse des Teilprojektes 4

  • Internationale Konferenz in Berlin

  • Telefoninterviews mit deutschen Naturschutzverbänden (Phase II)

  • Forschungsaufenthalt in Großbritannien

  • Master-Studentin der Nachwuchsforschergruppe CIVILand

  • Interviews mit Vertretern aus der EU-Verwaltung in Brüssel

  • Symposium an der Cardiff University

  • Interviews mit Not-for-Profit-Organisationen in Wales

  • Telefoninterviews mit deutschen Naturschutzverbänden (Phase I)




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Online: http://www.civiland-zalf.org/fortschritte/workshop20090921/konzept/index.php
Datum: 19.05.2012